Technisches Management

Schon Anfang der neunziger Jahre wurde im Freiberger Krankenhaus damit begonnen, sowohl die Gebäude als auch die technische Ausstattung schrittweise zu sanieren. Dies betraf insbesondere auch die Ausstattung des Hauses in den Bereichen Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär, Elektrotechnik und Mess-, Steuerungs-, Regelungstechnik (MSR-Technik).

Im Bereich Elektroenergie werden über drei eigene 20 KV Transformatoren pro Stunde insgesamt circa 800 KVA Leistung im Haus an die einzelnen Verbraucher verteilt. Trotz Anschaffung von immer mehr leistungsfähiger Medizintechnik und Bau zusätzlicher Gebäude, konnten wir in den letzten Jahren den Energiebedarf nahezu konstant halten.
Bei Neubau und Sanierung des KKH Freiberg sind bereits im ersten Bauabschnitt die neusten Anforderungen zum Beispiel an Endstromkreise bezüglich der Verwendung von FI- Schutzschaltern erfüllt worden. Auch wurde in den einzelnen Bauabschnitten schrittweise eine moderne EIB Steuerung (Europäischer Installationsbus) eingebaut. Mit dieser werden die Beleuchtung, Jalousien und die Lüftungsfenster automatisch gesteuert und überwacht. Über den PC können auch nachträglich Zuordnung, Schaltzeiten, Temperaturschwellwerte, Licht- und Windwerte geändert werden. Dies schafft immer wieder neue Möglichkeiten, um die Herausforderungen zur Energieeinsparung, welche mit geringem Aufwand realisiert werden können, zu bewältigen. Auch für die Sicherheit der Stromversorgung wurde in den letzten Jahren viel getan. So wurde im Jahr 2009 ein größeres Netzersatzaggregat eingebaut. Damit stehen dem Haus bei Unterbrechung der 20 KV Netzeinspeisung vom öffentlichen Netz zwei gleichgroße Aggregate mit einer Gesamtleistung von 600 KVA zur Verfügung. Mit dieser Leistung kann bei Netzausfall fast der gesamte Krankenhausbetrieb vollständig gewährleistet werden. Selbst bei Ausfall eines Aggregates wird durch eine aufwendige SPS Steuerung die Leistung des einen Aggregates so verteilt, dass alle wichtigen Bereiche wie zum Beispiel Operationssäle, Intensivstation und Frühgeborenenstation versorgt werden können. Diese zusätzliche Sicherheit geht deutlich über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.

Ein erster wichtiger Schritt zur Modernisierung der Steuerung und Regelung der Wärmeversorgung im Haupthaus Unterhofstraße war die Ausrüstung mit modernster am Markt befindlicher MSR-Technik. Als eines der ersten Krankenhäuser Sachsens erhielt das Kreiskrankenhaus eine Gebäude-Leittechnik (GLT) der Firma Honeywell inklusive 8 Prozessrechnern.

Diese modernste Art der Gebäudeüberwachung erlaubt es dem verantwortlichen Techniker, alle zum Betrieb des Krankenhauses nötigen Anlagen von zentraler Stelle aus zu überwachen, zu steuern und zu regeln. Ein bis dahin nicht möglicher Bedienerservice.

In den Folgejahren wurden in mehreren Bauabschnitten circa 30 Mill. Euro in technische Anlagen und Ausrüstungen investiert. Dabei besonders zu nennen sind eine zweite GLT der Firma JohnsonControls welche 54 Prozessrechner der gleichen Firma überwacht.

Durch beide Leitrechner ist eine energetisch optimale und sichere Fahrweise aller technischen Anlagen des KKH möglich. Vor Ort „gefahren“ wird diese Anlagentechnik primär von drei Mitarbeitern.

Um ein Gefühl für den Umfang der Technischen Anlagen im Kreiskrankenhaus zu bekommen, nachfolgend einige Zahlen:
  • Im Bereich der Lüftungsanlagen werden pro Stunde circa 500 000 m³ Luft gereinigt, transportiert u. in die einzelnen Abteilungen verteilt.
  • Im Bereich Elektroenergie werden pro Stunde insgesamt circa 800 KW im Haus an die einzelnen Verbraucher verteilt.
  • Im Bereich der Wärmeversorgung wird über ein umfangreiches Netz von Wärmeverteilerstationen im Winter pro Stunde eine Wärmemenge von circa 1500 KW verteilt.
  • Im Bereich der Kälteversorgung werden pro Stunde circa 20 m³ Kühlwasser mit einer durchschnittlichen Temperatur von 15°C an Kühlregister verteilt.

Gewinnung von Rohluft

Vermutlich einzigartig ist unseres Wissens die Gewinnung von Rohluft aus einem Bergbaustollen unter Tage, um diese dann zur Kühlung, Heizung u. Befeuchtung bestimmter Hausbereiche (wie zum Beispiel die Operationssäle, die Intensivtherapiestation, Endoskopie und Sterilisation) zu nutzen.

Freiberg ist ein ehemaliges traditionsreiches Silberbergbaugebiet und ist aus diesem Grund noch heute mit zahlreichen “Strecken“ unterfahren.

Bei dem in Freiberg genutzten Verfahren werden mittels einer Turbine ganzjährig circa 70.000 m³ Luft pro Stunde in einen untertägigen Stollen gedrückt. Um Turbinenleistung einzusparen wird über eine aufwendige Software die Drehzahl dieser Turbine abhängig vom Luftverbrauch in den Eingriffsräumen ständig überwacht und an die jeweilige Verbrauchssituation angepasst.

Diese Luft steht dann nach circa 2,5 km untertätigem Weg auf dem Gelände des Kreiskrankenhauses zum Betrieb der Lüftungsanlagen bereit. Sie ist gereinigt, auf circa 10 °C gekühlt und steht mit 95% rel. Feuchte zur weiteren Verwendung zur Verfügung. Gleichzeitig wird über hocheffiziente Wärmetauscher die gesamte Kühlenergie für das Kreiskrankenhaus Freiberg gewonnen.

In Zahlen ausgedrückt stellt sich das wie folgt dar:
  • Bei einer Außentemperatur von circa 30°C wird dieser Bergwerksluft ein Energiepotenzial von circa 500KW pro Stunde entzogen.
  • Bei einer Außentemperatur von circa -15°C wird dieser Bergwerksluft ein Energiepotenzial von circa 700KW pro Stunde entzogen.

In diesen Angaben sind eingesparte Energiekosten zur Luftbefeuchtung von Eingriffsräumen noch nicht enthalten. Um Eingriffsräume zu befeuchten muss die Luft auf 100°C erhitzt und danach wieder auf circa 30°C abgekühlt werden. Eine sehr kostenintensive Angelegenheit, welche durch obengenannte Bergwerksluft nicht mehr nötig ist und damit die Energiebilanz des Krankenhauses weiter verbessern hilft.

Christhopher Bohne-Herzog
Christhopher Bohne-Herzog

Technischer Leiter