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19.11.2020, Freiberg

Fünf Jahre Palliativmedizin im Freiberger Krankenhaus

„Was können wir tun, wenn Heilung nicht mehr möglich ist?“ Eine Frage, die Oberärztin Dr. med. Dagmar Braun wie folgt beantwortet: „Herausfinden, wie das Leben für den Betroffenen trotz dieser Diagnose weiter lebenswert ist.“ Mit diesen Worten ist die umfassende Aufgabe der Palliativmedizin bereits beschrieben. Denn es geht nicht um das Beenden von Therapien oder „nur“ um Sterbebegleitung – wovor viele Menschen Angst haben –, sondern Palliativmedizin ist die Änderung der Therapieziele im Sinne der Beschwerdelinderung. „Wie umfassend diese Arbeit ist, haben wir als Team in den letzten fünf Jahren hier angegliedert an die Station 6 erlebt.“ Dabei stehen unter anderem körperliche Symptome wie Luftnot, Schmerzen, Schwäche und Appetitlosigkeit im Vordergrund der Behandlung. Zusätzlich werden begleitend zur medikamentösen Therapie lindernde Verfahren wie Aromapflege und Klangtherapie nach P. Hess® eingesetzt. Häufig stehen auch zusätzlich Ängste, Zweifel, seelische und soziale Nöte der Betroffenen sowie auch der Angehörigen im Fokus der Therapie. Dafür benötigt das Palliativteam viel Zeit und emotionale Nähe, was auch nicht immer spurlos an ihnen vorüber geht und das Personal vor besondere Herausforderungen stellt. „Auch ausgedehnte Wunden, die häufig intensive unangenehme Gerüche verbreiten, stellen uns vor anspruchsvolle und zeitaufwendige Aufgaben, bei denen oft keine Behandlung nach „Standard“ möglich ist.“ So wie ein Mantel (Pallium = Mantel) sind diese vielfältigen Therapiebereiche darauf ausgerichtet, den unheilbar erkrankten Menschen schützend zu umhüllen. Dafür steht am Kreiskrankenhaus Freiberg ein Team aus verschiedenen Berufsgruppen zur Verfügung, welches aus Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen, Ehrenamtlern, Seelsorgerin und anderen besteht.

„Aufgrund der unheilbaren Grunderkrankungen erleben wir auch häufiger, als in anderen Krankenhausbereichen Sterben und Tod.“ berichtet Dr. Braun. „Dabei müssen wir auch achtsam mit uns und unserem Team umgehen. Dafür sind Rituale sehr wichtig, da wir häufig Abschied nehmen müssen. Da geht es auch bei uns ums Loslassen. Anfangs haben wir wöchentlich unsere Verstorbenen verabschiedet, in dem wir für jeden bei uns verstorbenen Patienten einen weißen mit Helium gefüllten Ballon in den Himmel steigen ließen. Aus Umweltschutzgründen haben wir im letzten Jahr dieses Abschiedsritual umgestellt. Wir gedenken nun wöchentlich im Rahmen der Teamsitzung mit Kerzen an die Verstorbenen, die unter freiem Himmel in unserer Hand gelöscht werden und wir mit dem schwindenden Rauch die Begleitung und die damit verbundenen Gedanken ziehen lassen können.“ Eine schöne Geste, zu der zusätzlich regelmäßige Supervision hinzukommt, wo belastende und bewegende Erlebnisse im Team bearbeitet werden können. „Diese kleinen Gesten und die Dankbarkeit der Betroffenen geben uns die Kraft für unsere tägliche Arbeit. Dass wir heute auf fünf Jahre Palliativmedizin in diesem Hause gemeinsam zurückschauen können, dafür gilt allen Beteiligten an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.“

Anmerkung: Aktuell kann das Kreiskrankenhaus Freiberg leider keine palliativmedizinische Versorgung anbieten, da der Fokus auf die Versorgung von Corona-Patienten gelegt ist.

Kontakt

Dr. Ulrike Träger • Marketing/ Öffentlichkeitsarbeit
Donatsring 20 • 09599 Freiberg
Telefon 03731 77-2845 • E-Mail ulrike.traeger@vge-mittelsachsen.de