Aktuelle Meldungen

News aus unserem Haus

01.09.2021, Freiberg

Brandenburgerin erhielt in Freiberg ihr Schultergelenk zurück

Freiberger Orthopäden rekonstruieren Schultergelenk

Brandenburgerin erhält Schultergelenk zurück: Freiberger Orthopäden der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie (Chefarzt Dr. Peik Mutze im Bild) rekonstruierten das Schultergelenk der Patientin. Die Röntgenbilder zeigen den Zustand vor der Operation und danach.

Ein Treppensturz war der Auslöser der jahrelangen Odyssee von Franziska Scholka. Die Brandenburgerin zog sich einen Oberarmbruch im linken Schultergelenk zu, welcher heimatnah operativ mittels Nagel versorgt wurde. Der Nagel führte nicht zur befriedigenden Ausheilung des Bruches, sodass Franziska Scholka sich an eine weitere heimatnahe Klinik wandte, die ihr eine Schultergelenkprothese einsetzte.

Komplikationen durch Keime

Gut 15 Monate nach dem Treppensturz konnte Franziska Scholka mit dem künstlichen Schultergelenk endlich wieder in ein normales Leben starten. Die heute 65-Jährige wagte sogar den beruflichen Wiedereinstieg als Hauswirtschafterin im Pflegebereich. Doch die Freude währte nicht lange. An der Prothese von Franziska Scholka hatten sich Keime festgesetzt. Sie spürte schon länger, dass da etwas nicht stimmte. „Bakterien, die sich an der Oberfläche eines körperfremden Materials festsetzen, bilden sogenannte Kolonien, einen Biofilm, und können dort von den körpereigenen Abwehrzellen nicht mehr erreicht und entfernt werden“, erklärt Dr. Peik Mutze, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Kreiskrankenhaus Freiberg. Die Infektion an der linken Schulterprothese zerstörte zunehmend das umliegende Knochengewebe. Neben starken Schmerzen wurde auch das künstliche Gelenk instabil. In einer erneuten Operation musste das gesamte Schultergelenk, als auch der umgebene kaputte Knochen entfernt werden.

Neue Hoffnung in Freiberg

Franziska Scholka lebte fortan ohne funktionierendes Schultergelenk. An ein normales Leben oder Arbeiten war nicht mehr zu denken. In den heimatnahen Klinken fand sich kein Chirurg, der bereit war, das Risiko einer erneuten Operation auf sich zu nehmen. Über ihre Krankenkasse suchte sie daher Rat und wollte sich eine Zweitmeinung einholen. Sie erhielt einen Termin in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Kreiskrankenhauses Freiberg in der orthopädisch-unfallchirurgischen Spezialsprechstunde. Herr Chefarzt Dr. med. Peik Mutze und Herr Oberarzt Dr. med. Thomas Lesky untersuchten die Patientin gemeinsam und veranlassten umfassende Untersuchungen, die den Zustand des gesamten OP-Gebietes darstellten.

Für die Patientin zeigten sich zwei Lösungswege, die ihr Chefarzt Dr. Mutze ausführlich erläuterte. Zunächst wäre eine Versteifung des linken Schultergelenkes als feste Bindung zwischen Oberarm und Schultergelenk durch die Implantation einer Platte und eines Knochenblocks aus dem Becken möglich, die dann wenigstens eine Beweglichkeit der Schulter von bis zu 30° oder 40° über die relative Bewegung des Schulterblattes gegen den Brustkorb ermöglicht. Eine weitere Möglichkeit stellt die Implantation einer speziellen Revisionsprothese dar. Entscheidend für diese zweite Variante ist, dass der die Schultermuskeln innervierende Nerv, der Nervus axillaris, noch intakt ist. Des Weiteren besteht hierbei die Herausforderung, ein Schulterprothesensystem zu finden, welches den inzwischen großen Verlust des Knochens am Oberarm und am Schulterdach fest ausgleichen kann.

Nach langer Zeit war Franziska Scholka das Glück hold

Mittels einer speziellen neurologischen Untersuchung wird die Nervenleitfähigkeit gemessen. Der für die Bewegung der Schulter verantwortliche Nerv war bei Franziska Scholka noch intakt. Auch ein Schultersystem konnte gefunden werden: ein neues Schulterprothesensystem, welches in der Schweiz speziell für Revisionseingriffe entwickelt und bisher nur von Spezialisten des Uniklinikums Münchens angewendet wurde. Dieses wurde das erste Mal im Osten Deutschlands durch die Oberärzte Dr. Thomas Lesky und Dr. Zeqir Ferati in einer zweistündigen Operation erfolgreich implantiert.

Einhaltung höchster Hygienestandards wichtig

„Eine Infektion ist die größte Gefahr für die Implantation eines künstlichen Gelenks, egal an welcher Körperstelle“, ergänzt Chefarzt Dr. Peik Mutze. Aus diesem Grund trifft das Kreiskrankenhaus Freiberg spezielle Vorkehrungen: „Unsere Patienten bekommen im Vorfeld eine spezielle Waschlotion und eine Nasensalbe mit einer antibakteriellen Substanz ausgehändigt, die sie fünf Tage vor der Operation bereits zu Hause anwenden müssen, um somit die normale Keimflora der Haut zu reduzieren. Dies ist seit vielen Jahren Standard in unserem Haus.“ Auch sind die hygienischen Anforderungen innerhalb des Kreiskrankenhauses sehr hoch. So befinden sich beispielsweise auf den Stationen, auf denen die Patienten nach einer Prothesenimplantation liegen, keinerlei Patienten, die mit einer Infektion behandelt werden. Chefarzt Dr. Mutze erklärt, dass es damit gelingt, die Infektionsrate auf ein Minimum zu reduzieren. Somit kann das Kreiskrankenhaus Freiberg der Bevölkerung bei der planmäßigen Prothesenimplantation einen hohen Sicherheitsstandard bieten.

Franziska Scholka konnte nach zehn Tagen heimatnah in eine Rehabilitationseinrichtung entlassen werden. Die Operation verlief bei ihr komplikationslos und sie fühlt sich bereit für ein neues Leben: „Ich bin so glücklich und dankbar. Die Freiberger Ärzte haben mir nicht nur meinen Arm zurückgegeben, sondern auch das Vertrauen in die Medizin gestärkt.“ Inzwischen übt sie schon fleißig allein an der Bewegungsschiene, die sie auch zu Hause als Übungsgerät erhalten wird. Unter physiotherapeutischer Anleitung erlernt sie die nötigen Übungen. „Nun muss ich nur noch ein wenig geduldig sein.“

Kontakt

Dr. Ulrike Träger • Marketing/ Öffentlichkeitsarbeit
Donatsring 20 • 09599 Freiberg
Telefon 03731 77-2845 • E-Mail ulrike.traeger@vge-mittelsachsen.de